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Führung & Zusammenarbeit

Wenn das eigentliche Problem noch keinen Namen hat: Wann ein Fractional Chief of Staff sinnvoll wird

Warum KI-, Transformations- und Führungsfragen oft größer sind als der erste Auftrag – und wann ein Fractional Chief of Staff die Integrationslücke schließt.

Sascha Adam und drei Führungskräfte verbinden gemeinsam zwei Teile eines modularen Arbeitsmodells

„Bei uns müsste mal jemand reingehen und den Leuten zeigen, wie man richtig promptet.“

So oder ähnlich beginnen derzeit viele Gespräche über KI. Die Frage klingt überschaubar: ein Training, ein paar gute Anwendungsfälle, vielleicht neue Lizenzen. Danach soll die Organisation effizienter arbeiten.

In einem meiner aktuellen Mandate begann es ebenfalls mit einer beiläufigen Frage der Geschäftsführung. Erst in weiteren Folgegesprächen wurde erkannt, dass die eigentliche Aufgabe deutlich größer war. Es geht nicht zuerst darum, bessere Prompts zu schreiben. Es geht darum, Abläufe und Prozesse wirklich zu verstehen, Engpässe sichtbar zu machen und erst dann zu entscheiden, wo Technologie sinnvoll unterstützen kann.

Nicht die KI sollte den Veränderungsprozess bestimmen. Die Arbeit selbst musste zum Ausgangspunkt werden.

Genau solche Situationen erklären, warum die Rolle eines Fractional Chief of Staff wichtiger wird. Nicht, weil Unternehmen einen weiteren Titel brauchen. Sondern weil der tatsächliche Bedarf zu Beginn häufig noch keinen klaren Namen hat – und weil viele entscheidende Fragen zwischen Funktionen, Projekten und Führungsebenen liegen.

Wenn der erste Auftrag zu klein für das eigentliche Problem ist

Ein Unternehmen kann durchaus handlungsfähig wirken. Es gibt eine Geschäftsführung, verantwortliche Führungskräfte, Projekte und Fachwissen. Trotzdem werden manche Aufgaben zunächst zu klein beschrieben:

Hinter diesen Symptomen kann jeweils ein anderes Muster liegen. Vielleicht sind Prozesse nicht transparent. Vielleicht fehlen Entscheidungsräume. Vielleicht konkurrieren mehrere sinnvolle Ziele miteinander. Vielleicht ist unklar, welche Rolle die Unternehmensspitze künftig selbst spielen will. Oder Technologie wird eingeführt, bevor überhaupt geklärt ist, welches Problem sie lösen soll.

Die erste Aufgabe eines guten Chief of Staff besteht deshalb nicht immer darin, einen bekannten Auftrag schneller umzusetzen. Manchmal besteht sie darin, gemeinsam herauszuarbeiten, worin der Auftrag überhaupt besteht.

Was Führungsteams 2026 gleichzeitig beschäftigt

Aktuelle CEO-Studien drehen sich nicht einfach nur um KI-Einführung. Sie beschreiben ein Bündel miteinander verbundener Führungsfragen.

Die IBM CEO Study 2026 zeigt: 69 Prozent der 2.000 befragten CEOs sagen, dass KI bereits Bereiche verändert, die sie als Kerngeschäft betrachten. 79 Prozent verteilen Entscheidungsverantwortung breiter. 77 Prozent sehen die Grenzen zwischen Talent- und Technologieführung als zunehmend überholt. IBM beschreibt KI damit nicht als isoliertes IT-Thema, sondern als Auslöser für neue Arbeitsabläufe, Entscheidungslogiken, Rollen und Formen der Zusammenarbeit.

Der EY-Parthenon CEO Outlook 2026 erweitert das Bild. 52 Prozent der 1.200 befragten CEOs befinden sich bereits in einer bedeutenden unternehmensweiten Transformation, weitere 45 Prozent wollen 2026 eine beginnen. 43 Prozent nennen bessere Abläufe und Produktivität als wichtigstes gewünschtes Ergebnis. Gleichzeitig erwarten 61 Prozent steigende Betriebskosten. Führungsteams müssen also verändern und investieren, während sie gleichzeitig disziplinierter priorisieren sollen.

Die CEO Agenda 2026 von Oliver Wyman Forum und NYSE macht den zeitlichen Druck sichtbar. Die 415 befragten CEOs widmen die Hälfte ihrer Planungszeit inzwischen Horizonten unter einem Jahr. 96 Prozent berichten von einer stärkeren Einbindung des Boards. Zwei Drittel der Unternehmen befinden sich bei KI dennoch überwiegend in Planung oder Pilotierung.

Die gemeinsame Führungsfrage lautet nicht: „Wie führen wir KI ein?“ Sie lautet: „Wie verändern wir Arbeit, Entscheidungen und Verantwortung, ohne im Tagesgeschäft die Handlungsfähigkeit zu verlieren?“

Die Studien beweisen nicht, dass Unternehmen einen Fractional Chief of Staff brauchen. Sie zeigen aber, warum Integration wichtiger wird: Strategie, Technologie, Menschen, Prozesse, Kosten, Governance und Umsetzung lassen sich nicht mehr nacheinander oder sauber getrennt bearbeiten.

Die eigentliche Lücke liegt zwischen den Zuständigkeiten

Viele Unternehmen besitzen für jedes einzelne Thema eine zuständige Person. Trotzdem fehlt jemand, der den Zusammenhang hält.

IT prüft Systeme und Sicherheit. Operations kennt die Abläufe. HR entwickelt Fähigkeiten. Finance betrachtet Wirtschaftlichkeit. Vertrieb kennt Kundendruck und Marktchancen. Die Geschäftsführung hält die strategische Perspektive. Jede Sicht ist notwendig – aber keine reicht allein.

Ein Fractional Chief of Staff wird dort relevant, wo eine unternehmensweite Aufgabe nah an der Unternehmensspitze liegt, mehrere Bereiche berührt und noch keine tragfähige organisatorische Heimat hat.

Das unterscheidet die Rolle von anderen Funktionen:

Ein Chief of Staff verbindet dagegen Lagebild, Entscheidung und Umsetzung. Er übernimmt nicht dauerhaft die Verantwortung der Linie. Er sorgt dafür, dass Verantwortung, Informationen und Entscheidungen dort zusammenkommen, wo sie gebraucht werden.

Augenhöhe bedeutet auch, nach oben zu spiegeln

Häufig wird die Rolle so beschrieben, als müsse ein Chief of Staff vor allem das Führungsteam ausrichten und die Organisation auf Kurs halten. Das greift zu kurz.

Die Unternehmensspitze prägt durch ihre Rolle das gesamte System besonders stark. Welche Themen ein CEO persönlich an sich zieht, wie Prioritäten wechseln, welche Konflikte offen angesprochen werden und welche Entscheidungen nachträglich korrigiert werden – all das wird von der Organisation aufmerksam beobachtet.

Das ist keine Schuldfrage. Gerade Gründer:innen und erfahrene Geschäftsführer:innen greifen oft ein, weil sie Zusammenhänge früher sehen, wichtige Kunden kennen oder Risiken aus Erfahrung schneller einschätzen. Kurzfristig kann dieses Eingreifen sogar die bessere Entscheidung erzeugen. Gleichzeitig kann es unbeabsichtigt dazu führen, dass Führungskräfte früher rückfragen, Verantwortung vorsichtiger übernehmen oder Entscheidungen wieder nach oben wandern.

Augenhöhe heißt deshalb nicht nur, der Unternehmensspitze Arbeit abzunehmen. Sie heißt auch, respektvoll zurückzuspiegeln, welche Wirkung ihr eigenes Handeln im System entfaltet.

Ein guter Chief of Staff macht daraus keine persönliche Diagnose. Er schafft einen geschützten Raum für Fragen wie: Wo ist das Eingreifen der Geschäftsführung unverzichtbar? Wo verhindert es ungewollt, dass andere Verantwortung entwickeln? Welche Entscheidung muss oben bleiben – und welche sollte dort bewusst nicht mehr landen?

Für wen ein Fractional Chief of Staff sinnvoll sein kann

Die Unternehmensgröße allein ist kein gutes Kriterium. Ein Unternehmen mit 30 Mitarbeitenden kann komplexer geführt sein als eines mit 300. Entscheidend sind Phase, Abhängigkeiten und die Art des Engpasses.

Besonders relevant kann die Rolle in fünf Situationen werden:

1. Wenn der tatsächliche Bedarf noch nicht klar erkannt ist

Die Organisation startet mit einer Werkzeug-, Trainings- oder Projektfrage. Im Gespräch wird sichtbar, dass Prozesse, Rollen, Daten, Entscheidungen und Zusammenarbeit gemeinsam betrachtet werden müssen. Dann braucht es jemanden, der nicht vorschnell die bestellte Lösung liefert, sondern den Problemraum mit der Unternehmensspitze sauber erschließt.

2. Wenn mehrere strategische Themen ineinandergreifen

KI-Einführung, neue Angebote, Kostendruck, Fachkräfte, Finanzierung oder Organisationsentwicklung konkurrieren um dieselben Menschen und Entscheidungen. Es fehlt nicht an Initiativen, sondern an einer belastbaren Reihenfolge und einem gemeinsamen Umsetzungsrhythmus.

3. Wenn die Geschäftsführung zum Integrationspunkt für alles wird

Entscheidungen sind formal verteilt, doch bereichsübergreifende Konflikte, Prioritäten und Eskalationen landen immer wieder oben. Die Unternehmensspitze wird zum Nadelöhr – nicht zwingend aus Kontrollbedürfnis, sondern weil niemand sonst das Gesamtbild halten kann oder das Mandat dafür besitzt.

4. Wenn Strategie und Arbeitswirklichkeit auseinanderdriften

Das Führungsteam ist sich über die Richtung grundsätzlich einig. Im Alltag übersetzt jedoch jeder Bereich diese Richtung anders. Vorhaben laufen parallel, Verantwortlichkeiten überlappen und Entscheidungen verlieren auf dem Weg in die Organisation an Klarheit.

5. Wenn eine Übergangsphase gestaltet werden muss

Beim Aufbau einer zweiten Führungsebene, während einer KI-Transformation, nach einer Finanzierungsrunde, vor oder nach einer Akquisition oder vor der Besetzung einer dauerhaften Schlüsselrolle entsteht oft eine zeitlich begrenzte Integrationslücke.

Drei Fragen vor der Rollenentscheidung

  1. Welches Problem soll sichtbar kleiner werden? Beispielsweise unklare Prioritäten, operative Rückläufe zur Geschäftsführung, fehlende Entscheidungsroutinen oder eine Transformation, die in Pilotprojekten festhängt.
  2. Welches Mandat braucht die Rolle? Dazu gehören Zugang zur Unternehmensspitze, Informationsrechte, definierte Entscheidungsräume und die Erlaubnis, Spannungen auch nach oben zurückzuspiegeln.
  3. Was soll anschließend im Unternehmen selbst besser funktionieren? Ein Fractional-Mandat muss Routinen, Fähigkeiten und Verantwortung stärken, statt eine dauerhafte Abhängigkeit von der externen Rolle zu erzeugen.

Wann die Rolle nicht die richtige Antwort ist

Ein Fractional Chief of Staff ist kein universelles Mittel gegen Überlastung.

Wenn ein Unternehmen eigentlich einen COO braucht, sollte es diese Entscheidung nicht mit einem weicheren Titel umgehen. Wenn einer Führungskraft Erfahrung oder Kapazität fehlt, muss das offen adressiert werden. Wenn Eigentümer:innen sich über die Richtung uneinig sind, kann auch die beste Integrationsrolle diesen Konflikt nicht ersetzen. Und wenn die Unternehmensspitze zwar Entlastung wünscht, aber keine Rückmeldung zur eigenen Wirkung zulassen möchte, bleibt die Rolle auf Koordination beschränkt.

Der stärkste Praxiseinwand lautet daher zu Recht: Schafft diese Rolle nicht noch mehr Unklarheit?

Ja – wenn sie ohne klares Mandat, ohne Abgrenzung und ohne Endpunkt eingeführt wird. Tragfähig wird sie erst, wenn Geschäftsführung, Führungsteam und Chief of Staff gemeinsam klären, wofür die Rolle da ist, wo sie nicht eingreift und wie Verantwortung in der Organisation verankert wird.

Fractional hat zwei zeitliche Grenzen

„Fractional“ wird häufig nur als Teilzeit verstanden. Das ist unvollständig.

Ein Fractional Chief of Staff arbeitet erstens in einem begrenzten laufenden Umfang – in der Regel ein, zwei oder drei Tage pro Woche. Er konzentriert sich deshalb auf wenige zentrale Knotenpunkte statt auf jedes operative Detail.

Zweitens ist auch die Gesamtdauer des Mandats begrenzt. Die Rolle begleitet eine definierte Übergangs- oder Entwicklungsphase. Sie schafft Entscheidungsroutinen, bringt zentrale Vorhaben in Bewegung, stärkt Verantwortliche und bereitet – falls notwendig – eine dauerhafte Struktur oder Besetzung vor.

Teilzeit beschreibt den Einsatz. Befristung beschreibt das Ziel: Die Organisation soll anschließend ohne dauerhafte externe Parallelstruktur handlungsfähiger sein.

Das macht die Rolle nicht halb verantwortlich. Im Gegenteil: Weil Umfang und Dauer begrenzt sind, müssen Auftrag, Prioritäten und Wirkung besonders klar sein.

Die entscheidende Frage ist nicht der Titel

Die bessere Frage lautet:

Gibt es eine wichtige Veränderungsaufgabe, deren tatsächliche Dimension wir noch nicht vollständig sehen – und die zwischen Unternehmensspitze, Führungsteam und Funktionen an Wirkung verliert?

Wenn die Antwort Nein lautet, braucht es keinen Chief of Staff.

Wenn die Antwort Ja lautet, muss zunächst geklärt werden, ob die Lücke fachlich, operativ, strukturell oder integrativ ist. Erst bei der letzten Variante wird ein Fractional Chief of Staff interessant: als rechte Hand auf Zeit, die gemeinsam mit der Unternehmensspitze den tatsächlichen Auftrag klärt, Zusammenhänge sichtbar macht und dafür sorgt, dass daraus Entscheidungen und Umsetzung entstehen.

Quelle und Einordnung

Ausgangspunkt dieses Beitrags sind die IBM CEO Study 2026, der EY-Parthenon CEO Outlook 2026 und die CEO Agenda 2026 von Oliver Wyman Forum und NYSE. Die Studien untersuchen Erwartungen und Organisationsentscheidungen von CEOs, nicht die Wirksamkeit eines Fractional Chief of Staff. Dieser Beitrag ist keine vollständige Wiedergabe der Studien, sondern verbindet ausgewählte Befunde mit einer anonymisierten Beobachtung aus meiner Praxis und meiner Einordnung der Integrationslücke zwischen Unternehmensspitze, Führungsteam und Umsetzung.

Hinweis zur Erstellung

Dieser Artikel ist mit Unterstützung von KI entstanden. Ich mache das aus Transparenzgründen sichtbar und sehe darin keinen Widerspruch zu persönlicher Autorenschaft.

Entscheidend ist für mich nicht, ob ein erster Entwurf mit Hilfe eines Werkzeugs entsteht. Entscheidend ist, wer die Richtung vorgibt, die Gedanken schärft, die Schleifen führt, Formulierungen prüft und am Ende für den Inhalt steht.

Dieser Text ist deshalb das Ergebnis von Briefings, Iterationen, fachlicher Einordnung und eigener Überarbeitung. Am Ende veröffentliche ich nur, was inhaltlich zu mir passt und wofür ich persönlich einstehe.