„Global wird jeden Monat die Stadt New York City gebaut.“ Dieser Satz von Florian Abel, Head of Sustainability bei Holcim Germany, ist bei mir von der Veranstaltung „Circular Economy in Hamburg – Innovationsmotor und Rohstoffsicherungsstrategie“ in der Handelskammer Hamburg hängen geblieben.
Der weltweite Gebäudebestand soll bis 2050 noch einmal um 50 bis 80 Prozent wachsen. Ein Mensch besitzt im globalen Durchschnitt rechnerisch 148 Tonnen Material. Gleichzeitig wächst die Weltbevölkerung um etwa 2,6 Menschen pro Sekunde.
Das sind Größenordnungen, die kaum vorstellbar sind. Und sie zeigen, warum die Frage nach unserem Umgang mit Ressourcen keine Nischendiskussion ist.
Planetare Grenzen sind eine wirtschaftliche Frage
Die Überschreitung der planetaren Grenzen gehört für mich zu den größten Problemen unserer Zeit. Gleichzeitig leben und wirtschaften wir alle innerhalb eines Systems, das auf Wachstum, Konsum und einem enormen Ressourcenverbrauch beruht. Ich genauso.
Daraus folgt für mich aber nicht Resignation. Im Gegenteil: Wir müssen Widersprüche aushalten und dort weiterwirken, wo konkrete Verbesserungen möglich sind.
Kreislaufwirtschaft ist weit mehr als Abfallmanagement oder ein moralischer Nachhaltigkeitsappell.
Sie berührt Rohstoffsicherheit, Resilienz, Innovationsfähigkeit, Kostenstrukturen und neue Geschäftsmodelle. Deutschland ist bei einzelnen kritischen Rohstoffen fast vollständig von Importen abhängig. Wer Stoffkreisläufe schließen kann, reduziert deshalb nicht nur Umweltauswirkungen, sondern auch strategische Abhängigkeiten.
Es passiert mehr, als wir wahrnehmen
Ein Gedanke zog sich für mich durch die gesamte Veranstaltung: In Deutschland wird bereits sehr viel getan. Es dringt nur häufig nicht durch.
Negative und destruktive Botschaften sind laut, einfach und permanent präsent. Die Arbeit an Lösungen ist dagegen oft kleinteilig, technisch und erklärungsbedürftig. Sie geschieht in Unternehmen, Ministerien, Verbänden, Forschungseinrichtungen und Verwaltungen – meist ohne große Schlagzeilen.
Gerade deshalb lohnt der Blick auf konkrete Beispiele.
Aurubis: Kreislaufwirtschaft im industriellen Maßstab
Martin Hauser, Director Circular Solutions bei Aurubis, zeigte, was industrielle Kreislaufwirtschaft bereits heute leisten kann. Aurubis verarbeitet jährlich mehr als eine Million Tonnen Recyclingmaterial und gewinnt daraus 20 verschiedene Elemente zurück. Nach Unternehmensangaben sank der CO₂-Fußabdruck der produzierten Kupferkathoden zwischen 2013 und 2024 um 44 Prozent.
Gleichzeitig wurde deutlich: Kreislaufwirtschaft darf nicht zu einem bequemen „100 Prozent Recycling“-Narrativ verkürzt werden. Rohstoffströme sind global, und Europa exportiert große Mengen kupferhaltigen Schrotts. Wer Versorgungssicherheit ernst meint, muss Kreisläufe deshalb über Unternehmens- und Ländergrenzen hinweg denken.
Holcim: Viele Lösungen sind bereits verfügbar
Florian Abel, Head of Sustainability bei Holcim Germany, lenkte den Blick auf die Bauwirtschaft. Sie steht für einen erheblichen Teil des deutschen Rohstoffverbrauchs und Abfallaufkommens. Gleichzeitig sind zahlreiche Lösungen bereits technisch möglich: Recyclingbeton, Sekundärrohstoffe, alternative Brennstoffe und Urban Mining.
Der Engpass liegt nicht allein in der Technologie. Viele Materialien sind verfügbar, genormt und bestellbar – werden aber noch nicht konsequent nachgefragt.
Besonders die öffentliche Beschaffung kann hier einen Markt schaffen, indem Recyclingmaterial zum Regelfall wird und Primärrohstoffe zur begründungspflichtigen Ausnahme.
Tchibo: Circular Economy als Geschäftsmodell
Kristina Kölling, Head of Environment & Circularity bei Tchibo, zeigte eine andere Perspektive: Zirkuläre Angebote können neue Kundengruppen erschließen.
Tchibo kauft Kaffeevollautomaten zurück, bereitet sie auf und verkauft sie mit zwei Jahren Garantie weiter. 40 Prozent der Käufer:innen waren Neukunden. Ihr wichtigstes Kaufmotiv war nicht Nachhaltigkeit, sondern der günstigere Preis.
Zirkuläre Geschäftsmodelle müssen nicht nur ökologisch sinnvoll sein. Sie können wirtschaftlich attraktiv, bequem und kundenzentriert gestaltet werden. Genau dann besitzen sie das Potenzial, aus der Nische herauszuwachsen.
Auch bundespolitisch wird angeschoben
Thomas Kappe, stellvertretender Referatsleiter für die Nationale Kreislaufwirtschaftsstrategie und Ressourceneffizienz im Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit, stellte die politischen Vorhaben vor.
Die Nationale Kreislaufwirtschaftsstrategie umfasst rund 200 Maßnahmen. Ein Aktionsprogramm bündelt zwölf prioritäre Vorhaben bis Ende 2027. Dazu gehören unter anderem:
- eine stärkere kreislauforientierte öffentliche Beschaffung,
- digitale Produktpässe und ein sektorübergreifendes Datenökosystem,
- mehr Transparenz und Nachverfolgbarkeit von Produkten und Materialien,
- die Stärkung des Einsatzes von Recyclingmaterialien,
- Investitions- und Innovationsförderung für Kreislaufwirtschaft.
Für digitale Anwendungen, ressourceneffiziente Prozesse und zirkuläre Geschäftsmodelle sind im Förderprogramm DigiRess Circular 50 bis 60 Millionen Euro vorgesehen.
Das löst nicht automatisch alle Probleme. Aber es zeigt: Kreislaufwirtschaft ist auch bundespolitisch längst als Frage von Wettbewerbsfähigkeit, Widerstandsfähigkeit und Versorgungssicherheit angekommen.
Was die Podiumsdiskussion auf den Punkt brachte
Die abschließende Diskussion mit PhD Andrés Fuentes Hutfilter von der OECD, Dr. Christian Growitsch vom Hamburg Institute for Innovation, Climate Protection and Circular Economy, Dr. Henner Buhck von der Buhck Gruppe und Karen Queitsch von der SUND Holding, moderiert von Dr. Dirk Lau von der Handelskammer Hamburg, verdichtete sich für mich auf drei Hebel:
- Nachfrage schaffen. Die öffentliche Hand verfügt über erhebliche Marktmacht. Wenn sie kreislauffähige Produkte und Recyclingmaterial konsequent nachfragt, entstehen Märkte und Skalierung.
- Stoffströme sichtbar machen. Unternehmen wissen häufig zu wenig über Materialien, Nebenprodukte und Bedarfe anderer Branchen. Regionale Transparenz kann industrielle Symbiosen ermöglichen – braucht aber Vertrauen und einen geeigneten Umgang mit sensiblen Daten.
- Ins Handeln kommen. Förderung kann Kooperationen anschieben. Entscheidend bleibt jedoch, Lösungen auszuprobieren, daraus zu lernen und tragfähige Modelle zu skalieren.
Warum Hamburg besonders gute Voraussetzungen hat
Hamburg bringt vieles zusammen, was eine Circular Economy braucht: Hafen, Industrie, Logistik, Handel, Energie, Wissenschaft und eine vielfältige Unternehmenslandschaft.
Genau darin liegt die Chance der Strategie Hamburg 2040. Klimaneutralität und Wettbewerbsfähigkeit dürfen nicht als Gegensätze behandelt werden. Kreislaufwirtschaft kann beide Ziele verbinden – wenn sie nicht als isoliertes Nachhaltigkeitsprojekt, sondern als Teil der Standort-, Innovations- und Wirtschaftsstrategie verstanden wird.
Die Handelskammer kann dabei eine wichtige Rolle als Plattform spielen: Unternehmen zusammenbringen, branchenübergreifende Kooperationen ermöglichen und sichtbar machen, was bereits funktioniert.
Mein Fazit
Zukunftsangst bringt uns nicht weiter. Ebenso wenig hilft die Vorstellung, wir müssten erst das gesamte System lösen, bevor wir anfangen können.
Es geschieht bereits enorm viel. Wir sollten diese Arbeit sichtbarer machen, voneinander lernen und gleichzeitig ehrlich über Zielkonflikte und Grenzen sprechen.
Nicht alles wird funktionieren. Aber jeder geschlossene Kreislauf, jedes tragfähige Geschäftsmodell und jede neue Kooperation ist ein konkreter Schritt.
Die entscheidende Frage lautet: Welchen Kreislauf können wir heute schon besser schließen?
Quelle und Einordnung
Ausgangspunkt dieses Beitrags sind die Vorträge und die Podiumsdiskussion der Veranstaltung „Circular Economy in Hamburg – Innovationsmotor und Rohstoffsicherungsstrategie“ am 23. September 2026 in der Handelskammer Hamburg. Das offizielle Veranstaltungsprogramm nennt die Präsentierenden; ergänzend beziehe ich mich auf das Strategie-Update Hamburg 2040. Dieser Beitrag ist keine vollständige Wiedergabe der Veranstaltung, sondern verbindet ausgewählte Fakten und Positionen mit meiner redaktionellen Einordnung.
Hinweis zur Erstellung
Dieser Artikel ist mit Unterstützung von KI entstanden. Ich mache das aus Transparenzgründen sichtbar und sehe darin keinen Widerspruch zu persönlicher Autorenschaft.
Entscheidend ist für mich nicht, ob ein erster Entwurf mit Hilfe eines Werkzeugs entsteht. Entscheidend ist, wer die Richtung vorgibt, die Gedanken schärft, die Schleifen führt, Formulierungen prüft und am Ende für den Inhalt steht.
Dieser Text ist deshalb das Ergebnis von Briefings, Iterationen, fachlicher Einordnung und eigener Überarbeitung. Am Ende veröffentliche ich nur, was inhaltlich zu mir passt und wofür ich persönlich einstehe.
